Chronisch rezidivierende Harnwegsentzündungen der Frau

Viele Frauen leiden unter einer sich wiederholenden Blasenentzündung: 12% der Frauen, die einmal an einer Blasenentzündung erkrankt sind, erleiden innerhalb eines Jahres eine erneute Infektion. Dabei handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um eine Neuerkrankung durch den gleichen Erreger.

Treten 3 oder mehr Harnwegsinfekte pro Jahr auf, spricht man von einem chronisch rezidivierenden, d.h. wiederkehrenden Harnwegsinfekt. Zur Behandlung rezidivierender Harnwegsinfekte bieten sich verschiedene Therapien an:

Nach den Leitlinien der EAU (European Association of Urology) wird die abendliche Einnahme eines niedrig dosierten Antibiotikum über die Dauer bis zu 6 Monaten empfohlen. Folgende Antibiotika kommen dabei in Frage: Trimetoprim, Nitrofurantoin, Cephalexin oder Ciprofloxacin. Die Auswahl des entsprechenden Antibiotikum wird durch den behandelnden Arzt getroffen, der dabei die Gesamtsituation des Patienten mit beurteilt.

Manche Patientinnen in meiner Praxis suchen aus unterschiedlichsten Gründen nach Alternativen für antibiotische Therapien. Als Alternative oder Ergänzung können dann andere Therapieverfahren herangezogen werden, die in ihrer Anwendung durchaus Erfolge zeigen, allerdings sind sie nicht durch wissenschaftliche Studien untermauert.

1. Cranberry -, Preiselbeeren – oder Blaubeerenextrakte

Diese Beeren enthalten als Wirkstoff Proanthozyanide und Fruktose. Diese legen sich wie eine Schutzschicht an die Harnblasenschleimhaut und bestimmte Bakterien (E. coli), die für einen Großteil der Harnwegsinfektionen verantwortlich gemacht werden, können sich damit weniger an die Schleimhaut legen. Dadurch werden diese Bakterien wieder besser mit dem Harnstrahl aus der Harnblase ausgeschieden.

2. Immuntherapie mit Stro-Vac© oder Uro-Vaxom©

Ein weiterer Therapieansatz ist die Immunisierung des Körpers gegenüber denjenigen Erregern, die Hauptverursacher der chronisch wiederkehrenden Harnblasenentzündungen sind.

Diese Immunisierung kann – in Spritzenform- z.B. mit dem Immunpäparat StroVac© erfolgen. Bei diesem Medikament handelt es sich um eine Substanz, die aus den Bakterienhüllen (Antigene) von abgetöteten Erregern besteht. Durch die Injektion des Medikamentes kommt es zu einer Immunantwort des Körpers gegen die Bakterienhüllen. Der Körper bildet in der Harnblase eine lokale Immunantwort durch die Bildung von körpereigenen Abwehrstoffen (Antikörper). Diese können im Urin nachgewiesen werden können.

Eine Vielzahl von Patientinnen berichten über eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Doch wie bei jedem Medikament können auch Nebenwirkungen auftreten. Die in unserer Praxis bisher aufgetretenen Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, die für 2 – 3 Tage anhielten. Die in der Literatur beschriebenen Nebenwirkungen wie kurzfristiges Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, Kopf – und Gliederschmerzen habe ich in meiner Praxis bisher nicht beobachtet. Ebenfalls wird in der Literatur beschrieben, dass in 35 % der Fälle überhaupt keine Beschwerden auftraten.

Erfahrungen von Patientinnen mit dem Medikament können z.B. auch im Internetportal sanego nachgelesen werden.

Bei der Therapie mit dem Medikament Uro-Vaxom© handelt es sich um Kapseln, die täglich auf nüchtern Magen über einen Zeitraum von 3 Monaten eingenommen werden. Nebenwirkungen habe ich in meiner Praxis bisher nicht beobachtet.

Der wesentliche Unterschied zwischen der Anwendung von dem Medikament Stro-Vac© und Uro-Vaxom© besteht nach meinem Dafürhalten – neben der unterschiedlichen Gabe – darin, dass im Medikament Stro-Vac© mehrere verschiedene abgetötete Erreger erhalten sind, im Medikament Uro-Vaxom© lediglich ein in unterschiedlichen Subgruppen Erreger enthalten ist. Somit deckt das Medikament Stro-Vac© eine größere Anzahl von möglichen krankmachenden Erregern ab.
Die Therapiekosten beider Präparate werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

3. Immunstimulation durch Akkupunktur

Verschiedene Erfahrungsberichte in der Literatur weisen darauf hin, dass durch die Nadelung von Harnblasenpunkten das Wiederauftreten von Blasenentzündungen reduziert werden kann. In meiner bisherigen Erfahrung kann ich jedoch die Erfahrungsberichte bislang nicht bestätigen.

4. Sonstige Phytotherapeutika

Kapuzinerkressekraut, Meerrettichwurzel und weißes Sandholz sind zur unterstützenden Behandlung von Harnwegsinfekten zugelassen. Zu beachten sind aber auch bei Heilpflanzen die möglichen Nebenwirkungen bei einer Langzeiteinnahme.

5. Ansäuern des Urin

Das Ansäuern des Urins kann in manchen Fällen ein sinnvoller Therapieansatz sein. Durch die pH-Änderung des Urins in das saure Milieu soll das Bakterienwachstum gehemmt werden. So kann ebenfalls eine Langzeitprophylaxe gegen Harnwegeinfekte erreicht werden. Zugelassen hierfür ist die Aminosäure L-Methionin.

Zu beachten sind auch hier die Kontraindikationen, vor allem erhöhte Harnsäure, Leberschäden, metabolische Azidose, Nierensteine.

Welche Therapieform bei der einzelnen Patientin sinnvoll ist, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, sondern ist abhängig vom persönlichen Patienten/Arzt Gespräch und den vorausgegangenen Untersuchungen.

vgl auch in der Fachliteratur: Artikel von W. Vahlensieck und H. Bauer: Vorbeugung und alternative Methoden der Prophylaxe rezidivierender Harnweginfektionen der Frau; in: Der Urologe, Band 45, Heft 4, April 2006, Seite 443 – 450

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